Grönland 2015 – I. Die Tour

Am Limnaeso

Am Limnaeso, Arctic Circle Trail

Seit etlichen Jahren wollte ich wieder einmal auf eine längere Trekkingtour nach Skandinavien gehen, jeden Spätsommer bekam ich Heimweh, eine Gelegenheit ergab sich aber leider nie. 2014 endlich habe ich mich entschieden, den Wunsch umzusetzen, bevor mich noch irgendwelche Knie- oder Rückenprobleme endgültige an solchen Trecks hindern sollten. Solche Fälle kennt ja vermutlich jeder aus seinem Umfeld. Zufällig bin ich 2014 über meine Twitter-Timeline auf den Arctic Circle Trail (ACT) in Grönland gestoßen und habe mir den spontan für 2015 vorgenommen.

An Nord-Skandinavien und anderen arktischen Gebieten reizen mich seit

Arktisches Weidenröschen (Epilobium latifolium) am Amitsorsuaq

Arktisches Weidenröschen (Chamerion latifolium) am Amitsorsuaq

meiner ersten Begegnung die großräumigen, noch halbwegs naturnahen Landschaften, das Licht, die Weite und die Stille. Botanisch gibt Skandinavien zwar nicht mehr her als unsere (Silikat)alpen, zumindest wenn man nur die Artenzusammensetzung betrachtet, aber man hat die Gelegenheit, zahlreiche Pflanzen- und Flechtengesellschaften in noch einigermaßen unberührtem Zustand und größerem Zusammenhang zu studieren. Ich liebe die Kargheit und Fragilität der Lebensgemeinschaften, die Frostböden, die flechtenreichen Zwergstrauchheiden. Ich liebe den Aufenthalt in einer Natur ohne Lichtsmog oder Zivilisationslärm und die Herausforderung, nur mit dem zu leben, was ich selbst mit mir herumtrage oder in der Natur vorfinde.

Ein gutes Dreivierteljahr habe ich mir Zeit für die Vorbereitung genommen, hart trainiert, 20 kg abgenommen und akribisch geplant. Es hat sich gelohnt.

Landzunge am Amitsorsuaq

Landzunge am Amitsorsuaq

Ich habe die Tour alleine gemacht, um die Stille besser genießen zu können und um mein eigener Herr sein zu können. Als Botaniker kann man die Geduld der Mitwandernden schon sehr strapazieren, da geht man doch besser solo. Die Tour habe ich in vierzehn Etappen aufgeteilt, zu schaffen ist sie in wesentlich weniger Zeit. Der sportliche Aspekt war für mich aber nachrangig, ich wollte mir in allererster Linie Zeit lassen. Der Nachteil für diesen Luxus (Alleingang und Zeit – und natürlich jede Menge Tee -) war das recht umfangreicher Gepäck. Mit Brennstoff und Kameras kam ich auf über 30 kg Rucksackgewicht. Das Gewicht war jedoch zu keiner Zeit ein Problem.

Mitternachtssonne

Spät abends, die Sonne möchte nicht untergehen und bewegt sich entlang des Horizonts.

Der Weg verläuft in Westgrönland etwa 100 km nördlich des Polarkreises zwischen Inlandeis und Küste und verbindet die Städte Kangerlussuaq, eine Flughafenstadt mit Wohncontainercharme, doch großartiger Umgebung, und Sisimiut, das ist die zweitgrößte Stadt Grönlands. Der Trail ist etwa 170 km lang mit ca. 3.500 m Höhenunterschied (auf und ab) und führt durch eine abwechslungsreiche Landschaft mit Seen, Flüssen, wundervollen Hochebenen und Fjorden. Zwischendurch besteht mit etwas Glück die Möglichkeit, einen Teil des Wegs mit dem Kanu zurückzulegen. Der Trail kann nicht

Tal zwischen den Seen Amitsorsuaq und Kangerluatsiarsuaq

Tal zwischen den Seen Amitsorsuaq und Kangerluatsiarsuaq

abgekürzt werden (es sei denn, man lässt sich in einem der Fjorde absetzen oder abholen), darin liegt eine der Herausforderung. Die Schwierigkeit der Tour hängt ganz entscheidend vom Wetter und davon ab, wie trocken oder nass das Jahr war. Ich hatte da bis auf wenige (und dann umso heftigere) Ausnahmen Glück. Bei der Orientierung hatte ich keinerlei Probleme, die Karten genügten mir in dem übersichtlichen Gelände völlig. GPS-Gerät und ein brauchbarer (!) Kompass waren natürlich trotzdem dabei. Bei Nebel stelle ich mir zwei Abschnitte auf den Hochflächen problematisch vor. Die Hütten sind reine Selbstversorgerhütten und bis auf eine recht klein. Getestet habe ich keine, ich habe es immer vorgezogen, im Zelt zu schlafen und das meistens abseits der Hütten.

Kangerluatsiarsuaq

Kangerluatsiarsuaq

2015 sei ein Rekordjahr gewesen, nie zuvor waren wohl mehr Wanderer auf dem ACT unterwegs, erfuhr ich im Vandrehjem in Sisimiut. Tatsächlich gab es nur zwei Tage, an denen ich niemandem begegnet bin und drei, an denen ich Leute nur aus der Ferne sah. Es muss aber nicht heißen, dass man alleine ist, wenn man das meint. In der letzten Nacht im stürmischen Fjäll, an dem ich mir wegen des Wetters recht sicher war, allein zu sein, muss Reeve, ein sehr sympathischer Neuseeländer, in meiner Nähe übernachtet haben. Wir haben uns aber erst am nächsten Tag beim Abstieg getroffen. Abgesehen von diesen fünf ruhigeren Tagen gab es täglich Begegnungen, meist mit herzlichen Gesprächen. Einigen der Mitwanderer bin ich nach Ende der Tour in Sisimiut noch einmal begegnet.

Es gibt manche Unterschiede zwischen dem Arctic Circle Trail und dem Teil

Sandstrand am Kangerluatsiarsuaq

Sandstrand am Kangerluatsiarsuaq

Skandinaviens, in dem ich sonst schon unterwegs war, also Schwedisch Lappland zwischen Abisko, Vistas, Sälka und Unna. Es fehlen in Grönland die Birkenwälder. Täler wie das Vistastal habe ich schon vermisst. Dafür gibt es in Grönland reichlich Sanddünen und –strände, die sehr eindrucksvoll sind. Der Sand dafür wird über die Eiskappe eingetragen. Die Seen sind fischreicher, es gibt wesentlich mehr Wasservögel, deren Rufe und Gesänge mir abends viel Freude bereitet haben, hier insbesondere die Taucher und Gänse. Die wilden Rentiere Grönlands sind wesentlich größer als die domestizierten Lapplands, es gibt Moschusochsen (ich habe allerdings das Kunststück fertiggebracht, keinen einzigen lebenden zu sehen, als Entschädigung dafür aber einen Polarfuchs) und Schneehasen, Eisbären kommen in der Gegend nicht vor. Eisberge gibt es in der Region um den ACT ebenfalls nicht. Der von Süden kommende Westgrönlandstrom, der sich aus dem warmen Irmingerstrom, einem Ausläufer des Golfstroms, und dem kühlen Ostgrönlandstrom besteht, hält die Küste bis zur Diskobucht das ganze Jahr über eisfrei. Erst nördlich davon, in der Baffinbucht, kommt der Einfluss des kalten Labradorstroms zur Geltung.

Hochebene mit Blick auf die Seen Kangerluatsiarsuaq (rechts) und Tasersuaq (links)

Hochebene mit Blick auf die Seen Kangerluatsiarsuaq (rechts) und Tasersuaq (links)

Soweit der Überblick über meine erste Grönlandwanderung und ein paar Fotos dazu. Ich werde in diesem Blog immer mal wieder einige Aspekte dieser Tour aufgreifen und näher darauf eingehen. Es schwirrt eine ganze Menge in meinem Kopf herum. Vieles hat mich auf dem Weg beschäftigt, vieles beschäftigt mich immer noch, einiges ist mir klar geworden, es gibt ein dickes Tagebuch und tausend Fotos.

Es gab auch einige Tiefpunkte, die gibt es eigentlich immer auf solchen Wanderungen, aber insgesamt war die Tour einfach klasse, ich habe sie sehr genossen, mich in Grönland verliebt und werde der Insel noch eine Weile treu bleiben. Für 2016 steht deswegen eine zweiwöchige, wohl weitgehend weglose Wanderung auf Qeqertarsuaq (Disko-Insel) an und was dafür schon gebucht werden konnte, ist es bereits.

Anflug auf Kangerlussuaq

Anflug auf Kangerlussuaq

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Russel-Gletscher bei Kangerlussuaq

Russel-Gletscher bei Kangerlussuaq

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Angekommen.

Angekommen

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Arktisches Weidenröschen

Arktisches Weidenröschen

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Am Kangerluatsiarsuaq

Am Kangerluatsiarsuaq

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Tannenwedel-Gesellschaft am Kangerluatsiarsuaq

Tannenwedel-Gesellschaft am Kangerluatsiarsuaq

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Ikkatooq-Hütte

Ikkatooq-Hütte

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Ole's Lakseelv Tal

Ole’s Lakseelv Tal

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Flussdurchquerung (Ole's Lakseelv)

Flussdurchquerung (Ole’s Lakseelv)

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Maligiaq-Fjord

Maligiaq-Fjord

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Blick zurück auf das Flusstal (Ole's Lakseelv)

Über dem Flusstal (Ole’s Lakseelv)

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Hochebene zwischen Eqalugaarniarfik und Innajuattoq

Hochebene zwischen Eqalugaarniarfik und Innajuattoq

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Hochebene zwischen Eqalugaarniarfik und Innajuattoq mit Blick auf den schneebedeckten Igannaq

Hochebene zwischen Eqalugaarniarfik und Innajuattoq mit Blick auf den schneebedeckten Igannaq (rechts)

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Rentier in der Nähe von Innajuattoq

Rentier in der Nähe von Innajuattoq

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Kangerluarsuk Tulleq Fjord

Kangerluarsuk Tulleq Fjord

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Zeltplatz im Fjäll vor Sisimiut

Zeltplatz im Fjäll vor Sisimiut

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Blick ins Tal vor Sisimiut mit dem Nasaaq-Massiv

Über dem Tal vor Sisimiut mit dem Nasaaq-Massiv im Hintergrund

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Tal vor Sisimiut mit dem Nasaaq-Massiv

Tal vor Sisimiut mit dem Nasaasaaq-Massiv

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Die Blaue Kirche in Sisimiut

Die Blaue Kirche in Sisimiut

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Literatur:

„Grönland: Arctic Circle Trail“, M. Woick, O. Schröder und D. Kuhnert, Conrad Stein Verlag, 2. Auflage 2014

Wanderkarten Westgrönland, 1:100.000: „Kangerlussuaq“, „Pingu“ und „Sisimiut“

„A Nature and Wildlife Guide to Greenland“, Benny Génsbol, Gyldendal Publishers, 2004

„Grönland. Ein kleiner Pflanzenführer.“ E. Lindner, H. Held, L. Martins, Arktis Kleinverlag, 2011

„Kälte, Wind und Freiheit“, Robert Peroni, Malik, 3. Auflage 2015

 

 

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Grönland 2015 – Vorbereitung

Ich tu’s.

Seit Jahren träume ich davon, wieder einmal nach Lappland oder eine andere arktische Region zu reisen und dort zu wandern.

Polarkreis - Schweden

Polarkreis – Schweden, 1995

Kennen und lieben gelernt habe ich Schwedisch-Lappland während meines Biologiestudiums. Der Lehrstuhl Pflanzenphysiologie bot eine vierzehntägige Exkursion an, an der ich fünfmal teilnahm, davon zweimal als Exkursionsleiter einer der beiden Teilgruppen. Obwohl meine erste Tour (1995) recht verregnet war und ich viel zu viel Gerödel durchs Fjäll schleppte, war ich begeistert von der Landschaft, der Stimmung und den Ökosystemen.

Stuor Reaiddavaggi zwischen Sälka und Nallo mit Polyfonböden und Solifluktion.

Stuor Reaiddavaggi zwischen Sälka und Nallo mit Polygonböden und Solifluktion, 1998.

Nordeuropa bietet im Gegensatz zu Mitteleuropa immer noch großräumige, weitgehend natürliche Gebiete mit zahlreichen Feuchtgebieten und frei mäandrierenden Flussläufen. Die teilweise kargen und doch vielfältigen Pflanzengesellschaften, an denen oft Flechten und Moose beteiligt sind, die gesamte Ökologie einschl. der parasitischen Pilze (01) begeistern mich sehr. Von der Biologie ganz abgesehen bin ich hingerissen von der Landschaft, den Gebirgsformationen, den U-Tälern, ich genieße die Zivilisationsferne ohne Lichtsmog, Hektik und Lärm (darüber habe ich schon an anderer Stelle geschrieben: „Knisternde Stille“ https://klauslorch.wordpress.com/2012/11/08/knisternde-stille/ und „Verlassene Lichtung“ https://klauslorch.wordpress.com/2011/04/22/verlassene-lichtung/).

Trotzdem ergab sich nach 2000 keine Gelegenheit mehr, in diese oder vergleichbare Gegenden zu reisen. Letztes Jahr dachte ich mir, dass ich mich in meinem mittlerweile fortgeschrittenen Alter so langsam mal aufraffen sollte, wenn ich das alles noch einmal erleben möchte; noch habe ich z. B. keine Knie- oder Rückenprobleme, was sich bekanntlich schnell ändern kann.

Blick auf Tjäktjavagge mit Tjäktjajakka und Blick ins Geargevaggi.

Blick auf Tjäktjavagge mit Tjäktjajakka und Blick ins Geargevaggi, 1998.

Die gleiche Tour wie während der Universitätszeit möchte ich nicht mehr machen, schon alleine, weil es einem Vergleich nicht standhalten kann, da wir ja in der Gruppe unterwegs waren. Die Gegend (zwischen Abisko im Norden und Sälka im Süden) darf es aber schon sein. Nur möchte ich noch mehr abseits der Hauptwanderstrecke Kungsleden unterwegs sein, vorwiegend oder ausschließlich im Zelt übernachten und vielleicht einmal bis in das Gebiet des Stonsteinsfjellet (Norwegen) vordringen. Den Gletscher dieses Berges habe ich von Unna Alakas aus gesehen und er hat mich immer angezogen.

Unna Alakas, 1997

Unna Alakas, 1997

Mein Plan wäre, bald nach dem Kiron den Kungsleden zu verlassen um bei Sälka wieder kurz auf ihn zu stoßen und danach über den Nordkalottleden über Norwegen und Unna wieder zurückzukehren. Es gäbe auch sonst noch einige, weniger begangene Wege, die bei einigermaßen gutem Wetter zu schaffen sein müssten

Weitere gedankliche Alternativen waren Island oder der Sarek Nationalpark. Letzten Sommer wurde ich dann noch durch einen Twitterer (@Koerb_de / http://www.koerb.de/ ) in meiner Timeline auf den Arctic Circle Trail in Grönland aufmerksam gemacht, und der Gedanke, dorthin zu reisen, ließ mich nicht mehr los.

Ahpparjavri, 1995

Ahpparjavri, 1995

Welche Tour es letztendlich werden sollte, wollte ich von meiner Fitness abhängig machen. Die erste kann man notfalls abkürzen, ich kenne mich in der Region aus und die Hütten haben Nottelefone. Meistens ist auch ein(e) Hüttenwirt(in) da und auf jeder zweiten entlang des Kungsleden kann man Proviant kaufen, worauf man sich allerdings gegen Ende der Saison nicht verlassen sollte. Das alles fällt beim Circle Trail weg.

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Im Oktober habe ich mit meinem Training begonnen und die Vorfreude hat mich unwahrscheinlich angespornt. Hilfreich waren von Anfang an ein Pulsmesser und eine Nahrungsmittelapp, die mir mein älterer Sohn empfohlen hat. Seit Mitte Oktober habe ich gut 10 kg abgenommen und meine Trainingsleistungen enorm verbessert. Mein letzter gründlicher Gesundheits-Check mit Belastungs-EKG fiel top aus und damit war für mich die Entscheidung gefallen: ich habe die Flüge nach Grönland gebucht. Die anderen Touren verschiebe ich auf die kommenden Jahre.

Sälka - Präsentation der bestimmten Pflanzen (Autor), 1997

Sälka – Präsentation der bestimmten Pflanzen (Autor), 1997

Wandern werde ich gegen Ende der Saison, das hat sich auch in Lappland immer bewährt; zu dem Zeitpunkt sind die Mücken meistens durch erste Nachtfröste dezimiert. Die meisten Blütenpflanzen sollte ich auch in nicht blühendem Zustand erkennen können. Ich werde mir mit vierzehn Tagen (plus zwei Puffertagen zur Sicherheit) ausreichend Zeit nehmen für die Strecke, damit die Botanik auf keinen Fall zu kurz kommt. Vielleicht reicht die Zeit sogar noch für die eine oder andere pflanzensoziologische Aufnahme, das hoffe ich sehr. Aus Erfahrung weiß ich, dass mir mit Gepäck mehr als 20 km am Stück keinen Spaß machen, weswegen die längsten Etappen etwa 17 bis 18 km lang sein werden.

 

Die Liste der Gefäßpflanzen ist überschaubar, nimmt man Moose und Flechten dazu, wird es schon deutlich schwieriger, den Überblick zu behalten. Aber ich habe ja noch einige Zeit für die Vorbereitung und bin schon eifrig dabei, da sie mir schon unwahrscheinlich viel Freude macht; sie macht einen guten Teil meiner Euphorie aus, die mich derzeit durch mein recht anstrengendes Konditionstraining trägt. Genauer anschauen möchte ich mir insbesondere die Feuchtgebiete und den Bewuchs der Fließ- und Polygonböden, die Wunschliste wird aber während der Vorbereitungsphase sicher noch länger werden.

Grönland, ich komme!

 

Salix herbacea (Krautweide) mit Rhytisma salicinum (Teerfleckenkrankheit der Weide), 1995

Salix herbacea (Krautweide) mit Rhytisma salicinum (Teerfleckenkrankheit der Weide), 1995

  1. Ich habe z. B. selten so häuft mit Anthracoidea (eine Brandpilzgruppe) befallene Carices gesehen, wie in Lappland.
Falkenraubmöwe, 1995

Falkenraubmöwe, 1995

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Knisternde Stille

Mir ist die Welt zu laut geworden.

Damit meine ich nicht nur den Lärm der vielen Maschinen, die benötigt werden um Gärten und Randstreifen in artenarme Einöden zu verwandeln. Auch nicht nur die omnipräsente Dauerberieselung mit dem, was landläufig alles so unter der Rubrik „Musik“ zusammengefasst wird.

Als Lärm empfinde ich auch die Bilder- und Informationsflut, die täglich auf uns einstürmt. Wenn man es Bilder, Informationen nennen darf. Denn wir sehen und erfahren mit zunehmender Flut weniger.

Weil Lärm auf die Dauer taub macht.

Weil Fülle erstickt.

Weil zu viel Möglichkeiten lähmen.

Wenn ich wieder einmal taub und gelähmt bin, ziehe ich mich in die Natur zurück, am liebsten ins Hochgebirge oder nach Lappland. Dorthin, wo der Zivilisationslärm nicht vordringt. Dorthin, wo es still ist.

Stille wird jedoch erst richtig perfekt durch leise Geräusche. Durch Blätterrauschen beispielsweise. Oder durch Regentropfen, den Pfiff eines Steinbocks im stillen Kar; durch das bisschen Geröll, das er los tritt. Durch den Ruf eines  Schwarzspechtes im sonst stillen Wald http://dl.dropbox.com/u/28198805/Schwarzspecht%20Ruf.mp3 . Ein Rascheln, ferne, einsame Tritte auf nassem Kopfsteinpflaster, nachts. Nur dann nehme ich Stille beruhigend wahr. Die Stille eines geschlossenen Raums dagegen dröhnt in meinem Kopf, sie ist nicht weit genug und sie ist hohl. Echte Stille benötigt auch manchmal die richtigen Düfte.

Sehr schöne Geräusche der Stille habe ich in Lappland gehört, meist dann, wenn ich mal eine Strecke alleine unterwegs war. Das Kalben eines weiter oben gelegenen Gletschers im Nallotal. Das leise, kaum vernehmliche Knacken der Granitblöcke im Vistastal, die gerne ankündigen, dass sie sich bald vom Fels lösen möchten.

Eine Ausnahme dieser Regel erlebte ich 1995, einer Lapplandtour mit nur wenigen Teilnehmern. Es war sehr regnerisch, unsere Kleider und Schuhe wurden nicht mehr richtig trocken. Jemand hatte eine Gitarre dabei. Es war in Unna Alakas. Wir lagen früh in den Betten, extrem erschöpft nach einer sehr harten Passüberquerung. Regentropfen am Fenster, wohlige Müdigkeit, Flüstern, Gedanken an uns, die gemeinsame Tour, die Nähe, die irgendwann nicht mehr sein wird. Gelegentlich zupfte jemand ein Stück. Dylan oder Bach, das war egal, Hauptsache unbeholfen, langsam, mit Fehlern und Wiederholungen. Eine Art Stille, nennen wir sie Zivilisationsstille, wie die unbeholfenen Klaviertonleitern in dem Film „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ vermitteln.

Eines meiner schönsten Ruhegeräusche habe ich aber auf der Überquerung des Passes zwischen Alesjaure und Unna Alakas gehört. Ich war sehr früh unterwegs, alleine, um den Sonnenaufgang auf der Passhöhe zu erleben. Als die ersten Sonnenstrahlen auftauchten, hörte ich ein sehr leises Knistern. Es kam von überall her und verbreitete zusammen mit dem schräg einfallenden Licht, das die Moospolster tief grün aufleuchten lies, eine unwirkliche Atmosphäre über dem Berg.

Die hauchdünnen Eisschichten auf den überall verteilten, kleinen und größeren Wasserpfützen brachen durch die Wärme der ersten Sonnenstrahlen auf und verursachten dieses Knistern. Sonst kein Laut. Ein wundervoller Tagesanbruch, meine Sinne nicht mehr betäubt, mein Kopf völlig frei.

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Triller in der Toccata der 6. Partita von J. S. Bach

I. Einführung

Bei der Beschäftigung mit der Toccata aus Johann Sebastian Bachs sechster Partita (E-Moll, BWV 830) ist meinem Klavierlehrer und mir aufgefallen, dass die Triller des Themas im Fugenteil ( Takt 27 bis 88) nur an den Stellen notiert sind, an denen sie auch ein Amateur wie ich gut spielen kann.

Dieses Entgegenkommen bin ich aus anderen Werken des Komponisten nicht gewohnt und so dachte ich mir, ich gehe der Sache einmal nach. Und bei dieser Gelegenheit schreibe ich meine Erkenntnisse gleich auf; vielleicht stehen ja andere vor ähnlichen Fragen.

Thema der Fuge in Bachs Partita Nr. 6 (1. Toccata) mit zwei Ausführungsbeispielen für den Triller und einem für einen Pralltriller.

Meine erste Vermutung, dass die Triller vielleicht nur an ein- oder  zweistimmigen Stellen gesetzt wurden, bestätigt sich nicht. Schon bei den Takten 34 und 35 steht ein Triller über dem  dritten des in drei Schritten aufsteigenden Seufzermotivs, obwohl alle drei Schritte dreistimmig gesetzt sind.  Da der erste Abschnitt hier über einen ausgeschriebenen Nachschlag (Sechzehntel)  in den zweiten Abschnitt des Themas überführt wird, lässt sich jedoch gut nachvollziehen, warum auf diesen dritten Triller nicht verzichtet wurde. Vergleichbares gilt auch für die Takte 40/41, wo das Thema im Bass auftaucht und ebenfalls nur der dritte Triller notiert ist. Im weiteren Verlauf des Stücks wird aber von dieser Regel wieder abgewichen, ohne dass sich mir die Motivation in allen Fällen erschließt.

Die beiden Notenausgaben, die ich besitze (Henle, 1979 und Wiener Urtext Edition, 2004) unterscheiden sich in der Notation der Triller nicht. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, weil beide auf dem ersten Originaldruck von 1731 basieren, der von J. S. Bach selbst in Druck gegeben wurde. Auf Abweichungen und Ergänzungen in anderen Quellen wird in beiden Notenausgaben hingewiesen.  In den Anmerkungen einer der Ausgaben findet sich zusätzlich die Empfehlung, die Verzierungen in den Takten 34/35 und 40/41 zu ergänzen, analog zu den Änderungen, die Bach in der Fughetta der Goldbergvariationen (dort nur im Diskant und im Bass, in der Mittelstimme jedoch nicht) nachträglich vorgenommen hat. Warum dann aber nicht auch im Diskant der Takte 58/59? Dann würden die Triller an allen vergleichbaren Stellen gespielt werden, sofern sie im Diskant oder Bass gesetzt sind. In der Literatur fand ich keine weiteren, aufschlussreichen Hinweise und wendete mich daher der Spielpraxis zu. Ich habe die Aufnahmen, die ich besitze, verglichen und das Ergebnis in eine Tabelle eingetragen.

II. Erläuterung zu der Tabelle und Aufnahmen

Tabelle I. Übersicht zu den Trillern in der Fuge. Vertikal aufgetragen sind die Takte mit dem Seufzermotiv, horizontal die Aufnahmen der Pianisten. Eine angefärbte Schnittmenge bedeutet, dass dort ein Triller gespielt wird. Weitere Erläuterungen im Text.

Details zu den Aufnahmen habe ich am Ende dieses Artikels notiert. Dass sich darunter keine Einspielungen mit Cembalo befinden liegt daran, dass ich den Klang dieses Instruments nur im sehr intimen Rahmen schätze, am liebsten in einem kleineren Musizierzimmer, nicht aber auf Tonträger oder im größeren Konzertsaal.

In der linken Spalte sind alle Takte der Fuge angegeben, in denen mindestens ein Interpret eine Verzierung (Triller bzw. Praller) auf dem Seufzermotiv  ausführt. Gezählt habe ich trotz des Alla-Breve-Takts die Viertel. 36.1 steht dabei für das erste Viertel aus Takt 36, 36.3 für das dritte usw. Um die Tabelle nicht zu überladen, wurden Verzierungen (Triller, Mordent usw.), die von den Interpreten teilweise zusätzlich an anderen, nicht das Thema betreffenden, Stellen gespielt werden (z. B. von Anderszewski und Schiff) nicht berücksichtigt. Ein ausgefülltes Feld steht für einen Triller. In den nächsten beiden Spalten sind die Triller, die in den beiden erwähnten Ausgaben eingezeichnet sind, aufgeführt. Schraffiert (Wiener Ausgabe) markiert  sind diejenigen, die laut Anmerkung ergänzt werden können.  Es folgen die neun Interpreten, deren Einspielungen ich besitze.

III. Die einzelnen Interpretationen

Meine Wette war, das Glenn Gould die Triller entweder immer spielt oder gar nie. Allerdings hat mein Klavierlehrer nicht dagegengehalten sondern war der gleichen Meinung. Ich kannte seine Aufnahme zwar, wusste aber nicht mehr genau, wie und wo er die Verzierungen spielte. Ich konnte mich aber ziemlich darauf verlassen, dass Gould größten Wert auf die Folgerichtigkeit eines Werkes legt und seine Verzierungspraxis sehr ausgeklügelt ist. Nicht selten nimmt er auch Korrekturen an den Partituren vor, nur um in seinem Sinne Geschlossenheit zu erreichen.

Wir sollten jedenfalls  recht behalten. Gould spielt die Triller konsequent an allen vergleichbaren Stellen, unabhängig von der Stimmlage und auch an einigen Stellen, wo nur noch das Seufzermotiv in Engführung erscheint. Und er spielt sie so, wie man sie heutzutage als korrekt gespielt versteht, indem der Triller mit dem oberen Nebenton beginnt („Nebentonprinzip“) und plan, d. h.  unverziert ausklingen lässt („Initialcharakter“). Der dem Triller vorausgehende Ton wird hier allerdings nicht gekürzt („Détaché“) was wohl der eher langsamen Interpretation geschuldet ist. Diese drei Prinzipien (Détaché, Nebentonprinzip und Initialcharakter) sind typisch für J. S. Bachs Ornamentik, die sich aus der französischen ableitet (1).

Ich habe zwei mögliche, in diesem Sinne korrekte, Ausführungen notiert, wobei zu beachten ist, dass sich unser Notationssystem nicht für die korrekte metrische Wiedergabe der Verzierungen eignet. Ein kurzer Triller wie hier kann einfach so schnell wie möglich gespielt werden. Die Metrik ist grundsätzlich völlig frei und wird keinesfalls in arithmetisch geraden Notenwerten gespielt. Da in unserem Beispiel der Nebenton konsonant ist, eignet sich hier z. B. laut Hans Klotz (1) ein stark geraffter Triller mit längerem Ruheabschnitt (erstes Beispiel, das ich selbst auch bevorzuge).

Längere Triller als in dem vorliegenden Fall können auch langsam begonnen werden, gleichmäßig beschleunigt und gegen Ende wieder verlangsamt werden (z. B. in der Sarabande der 1. Partita). Unser Notationssystem  eignet sich übrigens auch nicht für die korrekte Darstellung der tänzerischen Rhythmen, in denen die Partiten zu spielen sind. Rhythmisch (und auch dynamisch) gesehen ist unsere Notation ohnehin eine äußerst armselige Angelegenheit, das sei an dieser Stelle nebenbei erwähnt. Aber glücklicherweise wissen das die meisten Musiker und so sind die Zeiten des Nähmaschinenspiels, wie ich es gerne nenne, mittlerweile Geschichte.

Tabelle II. Übersicht zu der Spiellänge der einzelnen Aufnahmen (Fuge ohne Prä- und Postludium).

Aber ich schweife ab, zurück zu Goulds Einspielung. Seine Einspielung ist die langsamste von den hier besprochenen Einspielungen, was auch für die gesamte Toccata zutrifft, also inklusive Präludium und Postludium. Goulds bekannte Einspielung von 1974 (Film von Bruno Monsaingeon, „Chemins de la musique“) ist übrigens insgesamt nur unwesentlich schneller (9:45 Minuten), die Fuge im Mittelteil aber mit 4:45 gegenüber 5:30 Minuten doch deutlich kürzer. Außerdem lässt er in dieser Live-Einspielung die Triller in den Takten 46.3, 58.1, 58.3 und 59.1 weg, fügt aber im Gegenzug an anderer Stelle einige hinzu. Es gäbe zu den Einspielungen von Gould noch einiges zu sagen, insbesondere auch zu den sehr frei gestalteten Prä- und Postludien, die die Fuge einrahmen oder die Dynamik der 1958er-Aufnahme, aber ich möchte mich in diesem Text nur auf die Triller der Fuge beschränken. Vielleicht an anderer Stelle mehr.

Piotr Anderszewski steht mit seiner stark akzentuierten und wesentlich schnelleren Interpretation, was die Triller betrifft, kaum hintenan. Auch er spielt an allen vergleichbaren Stellen einen Triller, abgesehen von  den Takten 79 bis 81, wo er ihn lediglich bei Takt 81.1 setzt. Darüber hinaus fügt er noch einige Mordents und andere Verzierungen ein, worauf ich hier nicht näher eingehen möchte.

Vladimir Ashkenazy, Irma Issakadze, Murray Perahia, András Schiff und Alexis Weissenberg halten sich weitgehend an die Eintragungen der ersten, gedruckten Notenausgabe. Angela Hewitt spielt zusätzlich die Triller in den Takten 34/35 und 40/41, wie es in der Wiener Ausgabe empfohlen wird. Sie spielt die Verzierungen sehr gleichmäßig, fast mechanisch genau, was aber eigenartigerweise das tänzerische Element, das sie immer wieder so bezaubernd herausarbeitet, nicht stört.

Nahezu metrisch gleichmäßig spielt auch Rosalyn Tureck ihre Verzierungen. Aus Überzeugung, muss man hinzufügen. Tureck hat seinerzeit einige Schriften über Bach veröffentlicht und war offensichtlich der Meinung, dass die Ornamente genau auf diese Weise zu spielen sind. Besonders auffällig wird diese Einstellung bei der schon erwähnten Sarabande (Takte 21 und 22) der ersten Partita (BWV 825). Dort hält sie sich sehr zurück, wenn es um (wohlgemerkt gleichmäßig) beschleunigte Triller geht. Warum ich Frau Tureck zum Schluss erwähne, hat einen besonderen Grund. Schaut man sich die Übersicht an, sieht man auf den ersten Blick, dass sie die Verzierungen bei jedem Seufzermotiv spielt. Wenn man so will, ist das vielleicht die konsequenteste Änderung am Notentext. Allerdings spielt sie einen Praller und keinen Triller, eine Verzierung, die laut Klotz (1) bei Johann Sebastian Bach nie vorkommt. Die meisten Veröffentlichungen, die sich mit der historisch informierten Spielweise Bachscher Musik beschäftigen, sind laut Bazzana (2) erst nach 1940 auf den Markt gekommen. Daher möchte ich Turecks Interpretation auch nicht klein reden. Ich muss ohnehin gestehen, dass auch ich zuerst einen Praller gespielt habe, bevor ich mich näher mit der Materie beschäftigt habe. Und mein Klavierlehrer hat mich auch nicht daran gehindert. Tatsächlich taucht der Pralltriller in Bachs Verzierungstabelle aus dem „Klavierbüchlein“ für seinen Sohn Wilhelm Friedemann Bach nicht auf (der Mordent allerdings schon). Grabners „Allgemeine Musiklehre“ (3) sieht das anders und nennt eine Sarabande von Bach als Beispiel, wo ein Pralltriller zu spielen sei. Mich überzeugen die Ausführungen von Hans Klotz und ich spiele den Triller mittlerweile so, wie im ersten Beispiel gezeigt, und an den Stellen, an denen sie auch Angela Hewitt spielt.

IV. Schlussbemerkungen

Gut, was soll das Ganze? Der Kartoffelpreis wird durch diese Untersuchungen nicht sinken und ob ich bei meinem amateurhaften Spiel nun einen Triller oder Pralltriller an irgendeine Stelle setze oder eben nicht, macht am Ergebnis auch nicht so viel aus.

Festzuhalten bleibt immerhin, dass in allen der hier besprochenen Aufnahmen die Triller, die in der Originalausgabe stehen, jedenfalls nie ignoriert werden. Aber persönlich habe ich auch sonst durch diese Auseinandersetzung, die im Übrigen schon vor einiger Zeit mit meiner intensiveren Beschäftigung mit Bachs Partiten begann, einiges gewonnen. Ich weiß jetzt z. B. genau, warum mich Piotr Anderszewskis Interpretation des Präludiums der Partita Nr. 1 von Anfang an so viel mehr überzeugt hat als die von Murray Perahia. Dort spielt der Triller meiner Meinung nach eine noch wichtigere Rolle als in der besprochenen Toccata. Vielleicht hört der eine oder andere Leser mal genauer hin. Ich finde, es lohnt sich.

V. Anhang

a)    Die Aufnahmen

  1. Glen Gould, Columbia Studio, New York, 1957
  2. Piotr Anderszewski, Virgin Classics (EMI), 2002
  3. Vladimir Ashkenazy, Decca (Universal), 2010
  4. Angela Hewitt, Hyperion (CODAEX Deutschland), 1997
  5. Irma Issakadze, Oehmsclass (Naxos Deutschland), 2011
  6. Murray Perahia, Sony Classical (Sony Music), 2010
  7. András Schiff, Decca (Universal), 2007 (Remastered) (Aufnahme: 1983)
  8. Alexis Weissenberg, TOSHIBA, 2006 (Import), (Aufnahme: EMI CZS 5741442, 1966 et 1970)
  9. Rosalyn Tureck, Doremi (Musikwelt Tonträger e.Kfr.), 2006 (Aufnahme: Allegro AL 67 1949/1950)

b)    Literatur

(1)  Hans Klotz: „Die Ornamentik der Klavier- und Orgelwerke von Johann Sebastian Bach“, Bärenreiter-Verlag, 1984

(2)  Kevin Bazzana: „Glenn Gould oder die Kunst der Interpretation“, Bärenreiter-Verlag, 2. Ausgabe (Bärenreiter/Metzler) 2002

(3)  Hermann Grabner: „Allgemeine Musiklehre“, Bärenreiter-Verlag, 23. Auflage, 2004

c)    Pdf-Dateien der Tabellen und des Notenbeispiels

Noten zur Bach-Partita 6 mit Trillern

Triller im Mittelteil

Spieldauer der Fuge

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Bar Mitzwa an der Klagemauer

In der Nähe der Klagemauer, der westlichen Mauer des ehemaligen zweiten Tempels von Jerusalem, befindet sich der gut gesicherte und bewachte, mit Holzbrettern bekleidete Aufgang zum Tempelberg, der Anhöhe mit seinen wunderschönen Moscheen. Unten am Aufgang steht ein Schild mit dem Hinweis, dass es laut Beschluss eines Rabbiners für Juden aus religiösen Gründen untersagt sei, den Berg zu betreten. Eine Frau, die die Warteschlage auf und ab geht, warnt ebenfalls vor diesem drohenden Seelenunheil. Wenn man auf alle Ratschläge derer hört, die mit Abrahams Gott auf Du und Du stehen – so mein Gedanke – wird wohl keiner je ins Himmelreich eintreten.

Laute, fröhliche Musik und tanzende Grüppchen, die sich auf den Eingang zur Klagemauer zubewegen, lenken mich ab und machen mich neugierig. Ich verschiebe meinen Besuch des Tempelbergs, verlasse die Warteschlange und folge ihnen.

Ein Junge trägt die Thora.

Es muss sich wohl um eine jüdische Feier handeln, da einige Orthodoxe in ihrer unverkennbaren Kluft unter ihnen sind. Direkt vor der Mauer sind Tische aufgebaut, aus hölzernen Schreinen werden Thora-Rollen entnommen und Kinder scheinen eine Hauptrolle zu spielen. Hinter dem Gitter, das die Frauen von den Männern trennt, stehe ich und schaue dem Treiben eine Weile zu.

Eine alte Frau, Israelin, in Schwarz gekleidet, steht neben mir. Alt genug für persönliche Erfahrungen mit der Shoa, denke ich unwillkürlich. Sie fragt mich, woher ich komme, scheint sich zu freuen, dass ich Deutscher bin und erklärt mir lebhaft das Fest. Auf Englisch. Es handelt sich um Bar Mitzwa, bei dem die religiöse Mündigkeit der 13-jährigen Jugendlichen gefeiert wird. Sie erklärt mir, was so alles dazugehört. Die Hörner, in die der eine oder andere mit Inbrunst bläst sind z. B. nicht zwingend.

(Erzähle weiter, liebe unbekannte alte Frau, es macht mich sehr glücklich.)

Tanzende Familienmitglieder

Ein schönes Gefühl. Ich darf als Deutscher ein jüdisches Fest in Jerusalem miterleben und werde nicht ausgegrenzt. Im Gegenteil. Als wäre es selbstverständlich…

Als Mann muss ich nicht hinter der Absperrung bleiben. Meine Kippa, die man zu solchen Anlässen und an solchen Orten aus Respekt tragen muss (was ich auch gerne mache), habe ich dabei und mische mich ein wenig unter das Treiben, ermuntert von der unbekannten Frau. Jemand fragt mich, ob ich Jude sei, er wollte mir Tefillin, das sind lederne Gebetsriemen, um die Arme wickeln.

Ich verneine und schaue zu, wie er anderen Gläubigen die Riemen um die Arme schnürt. Dabei geht er nicht gerade zimperlich zu.

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Ich weiß nicht genau, woran es liegt. Aber ich werde gerne mit einem Juden verwechselt. Am Glauben selbst kann es nicht liegen, der ist – wie andere Glaubensrichtungen – für mich nur von rein folkloristischem Interesse. Einige Bräuche, Utensilien gefallen mir, ja. Die Thora-Rolle z. B. Am europäischen Judentum um 1900 und seinen mir so beliebten Vertreter liegt es sicher auch, denen ich auf meinen literarischen, künstlerischen oder musikalischen Reisen so oft und gerne begegne. Berlin und Wien um diese Jahrhundertwende hätte ich gerne einmal erlebt. Die Sprache gefällt mir, das Jiddische etwas mehr als das Hebräische.

Sympathie mit dem Verlierer spielt ganz sicher eine weitere wichtige Rolle, dem Schwachen, auf dem immer wieder rumgetrampelt wurde. Nicht nur in der jüngeren deutschen Geschichte eine Geschichte der ständigen, ungerechtfertigten Beschuldigungen, der Ausgrenzung und der Pogrome. Heute sprechen einige Politiker von einer jüdisch-christlicher Tradition in einem – wie ich es empfinde – geschichtsverbrämendem Sinne. Wir müssen vermutlich unterschiedliche Geschichtsbücher gelesen haben.

Mir sind sie jedenfalls sympathisch, diese „Verlierer“, die immer wieder aufgestanden sind.

Ich denke auch oft an Egon Friedell. Stellvertretend.

An den, der wegen dieser Rotte brauner Halbaffen aus dem Fenster gesprungen ist, wegen dieser „verkommenen Hausknechte“, die auch heute noch ihr dumpfes Unwesen treiben…


Hoffnungen

Nach einer Weile verlasse ich den Platz und mache mich wieder auf den Weg zum Tempelberg. Der Nahe Osten hat es mir seit Jahren angetan. Ich liebe auch die arabische, die palästinensische Kultur, ebenso wie die jüdische. Ein Reise, von der Türkei aus über die gesamte Levante bis nach Ägypten, über alle Grenzen hinweg, ist ein Traum von mir.

Ich hoffe auf ein Ende der Betonköpfe.

Anti.

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Durch das Wadi el Qelt nach Jericho

Wem im „Heiligen Land“ vor lauter Museen, Kirchen, Synagogen und Moscheen mal der Kopf rauchen sollte, der kann vor den Toren Jerusalems (genau genommen vor Herodestor und Löwentor, also in nordöstlicher Richtung) zur Erholung eine sehr empfehlenswerte Wanderung durch das Wadi el Qelt (1) unternehmen, eine Schlucht in der Judäischen Wüste, die bis nach Jericho führt.

Blick über die Judäische Wüste bei einem der Einstiege zum Wadi el Qelt

In diesem Wadi, das auf palästinensischem Gebiet (Westjordanland/Westbank) liegt, befindet sich  als kulturelle Sehens-würdigkeiten das Sankt-Georg-Kloster und Reste eines römischen Aquädukts aus den Zeiten des Herodes. Die Wanderung führt durch eine großartige Landschaft mit eindrucksvoller Natur.

Nach meinem ersten Besuch des Klosters im Mai 2010 erfuhr ich zum ersten Mal, dass  durch diese Schlucht auch ein Wanderweg führt.

Ein Wanderweg durch die Judäische Wüste nach Jericho.

Allein der Klang der Namen dieser Orte war Grund genug, diesen Weg für meine nächste Tour nach Israel/Palästina einzuplanen.  Ich lasse mich oft vom Klang der Orte zu meinen Touren verleiten und habe es selten bereut. In diesem Fall sah ich natürlich auch viele Geschichten der Bibel vor meinem Auge. Obwohl kein gläubiger Mensch, erinnere ich mich gerne an die eine oder andere Erzählungen oder Person. Und überhaupt Jericho. Für mich weniger als biblische Stadt interessant, sondern vielmehr als einer der ersten Siedlungsorte, die die Menschheit kennt. Tel el Sultan bei Jericho soll einer der gesicherten Orte sein, an dem die neolithische Revolution stattgefunden hat, die Menschen also vom Nomadenleben zur Sesshaftigkeit wechselten (2)(3).

Die Wanderung plante ich für das zeitige Frühjahr ein, wegen der Niederschlags- und damit Blühperiode und auch im Hinblick darauf, dass im Jordangraben dann noch erträgliche Temperaturen herrschen sollten.

Acacia farnesiana Willd. Mimosaceae

Jerusalem-Kapernstrauch, Capparis zohary Inocencio, Rivera et Alcaraz, Capparidaceae (Kapernstrauchgewächse), die Blütenknospen werden in Essig eingelegt und kommen dann als Kapern auf den Tisch. Synonyme: Capparis hierosolymitana Danin, Capparis spinosa var. aegyptia.

Ranunculus asiaticus L. (Persischer bzw. Asiatischer Hahnenfuß), Ranunculaceae (Hahnenfußgewächse)

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Fagonia scabra Forssk., Zygophyllaceae (Jochblattgewächse)

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Anfang März 2011 verwirklichte ich meinen Plan, und wir (insgesamt vier Wanderwillige) starteten die Wanderung an einer der mehreren möglichen Einstiegsstellen, die sich etwa 1 km von der A1 entfernt in der Nähe der (völkerrechtlich eigentlich illegalen) jüdischen Siedlung Mitzpe Yeriho befindet. Wir befinden uns hier – wie bereits erwähnt – im Westjordanland (Westbank), etwa 20 km östlich von Jerusalem. Jerusalem liegt auf dem Grat eines  in etwa küstenparallel verlaufenden Gebirges, das die Wasserscheide zwischen Mittelmeer und Jordangraben bildet. Während es in Jerusalem (800 m über dem Meeresspiegel) an diesem Tag fast schneit, herrschen hier (150 m) bereits angenehme Wandertemperaturen. Im ca. 250 m unterhalb des Meeresspiegels liegenden Jericho wird es bei unserer Ankunft bereits sommerlich warm sein.

Wadi el Qelt. Übersicht des Verlaufs vom Einstieg aus. Im Hintergrund der Jordangraben, Jericho und das Jordanische Gebirge.

An eine Wanderkarte (falls es überhaupt eine gibt) bin ich nicht gekommen. An detailliertere, verlässliche Informationen ebenfalls nicht. Man erhält zwar einige so selbstverständliche wie gut gemeinte Ratschläge (bei Regen ist das Wadi zu verlassen, der Weg kann bei Regen schmierig werden usw.) aber die kommen – wie überall auf der Welt – oft von Leuten, die die Wege selbst nie gegangen sind. Wie sich herausstellen sollte, war auch keine Karte nötig. Die Wege sind problemlos zu finden und einfach zu gehen.

Aizoon hispanicum L. (Spanisches Eiskraut), Aizoaceae (Mittagsblumengewächse)

Die Gegend lebt nun mal davon, dass sie touristisch in allererster Linie „Heiliges Land“ ist, ein Umstand, den ich persönlich äußerst bedauerlich finde. Israel und Palästina haben sehr viel mehr zu bieten als die biblischen Stätten, sowohl was Landschaft und Natur auf der einen Seite und nicht biblische Kulturgeschichte auf der anderen Seite anbelangt. Immerhin gibt es in Israel incl. Palästina (ohne den Sinai) 2.682 Pflanzenarten auf gerade einmal 29.600 km² Fläche (4) was einem Verhältnis von 9,06 Arten je 100 km² entspricht (zum Vergleich: Italien 1,86 / Griechenland 3,17). Der Pflanzenreichtum erklärt sich durch die zahlreichen, oft kleinräumigen, sehr unterschiedlichen Ökosysteme auf relativ geringem Raum (4). Vielleicht erhält man in den Naturparks, die es immerhin auch gibt, gutes Informationsmaterial.

Nubischer Steinbock - Capra nubiana Cuvier, 1825. Die Aufnahme stammt aus dem Wadi Arugot, südlich von En Gedi, das in das Tote Meer mündet.

Aber auch ohne entsprechende Vorbereitung war die Wanderung phantastisch und ich werde sie sicher noch einmal machen, dann besser vorbereitet und mit noch mehr Zeit (und einem Teleobjektiv im Gepäck). Der Weg hat einiges zu bieten. Nicht nur eine immer wieder spektakuläre Landschaft, sondern auch eine beeindruckende Pflanzen- und Tierwelt. Neben Klippschliefern und Gazellen kann man z. B. auch den nicht besonders scheuen Nubischen Steinbock sehen. Außerdem Echsen und Vögel, die ich aber leider – weil die Biester zum

Klippschliefer/Klippdachs - Procavia capensis (s.l.) Pallas, 1766. Die Tierchen gehören zu den Afrotheria, sind also mit Elefanten und Seekühen verwandt. Diese Aufnahme stammt ebenfalls aus dem Wadi Arugot.

einen ziemlich flink sind, zum anderen aber auch mangels Übung – nicht bestimmen konnte. In der Nähe der Oasen kann man auch domestizierten Dromedaren begegnen und immer wieder auch den Ziegen der Beduinen. Bei meinem ersten Besuch des Georgklosters wurde ich von einem quakenden Frosch begrüßt. Ein unerwartetes Erlebnis in einer Wüste.

Der Wanderweg führt von unserer Einstiegsstelle aus hinunter zu einer Oase und den Ruinen eines römischen Aquäduktes. Talaufwärts müssen sich noch ein Wasserfall und eine Bademöglichkeit befinden. Da wir nicht wussten, was für eine Art Wanderweg uns erwartet und daher auch nicht, wie lange wir für die etwa 15-20 km Wegstrecke (es sind wohl eher 15 km) benötigen würden, verzichteten wir auf den Abstecher.

Plicosepalus acaciae (Zucc.) Wiens & Polhill , Loranthaceae, "mistletoe", ein Halbparasit auf Akazienarten (Stamm). Synonym (alt): Loranthus acaciae Zucc.

Das aktuelle Aquädukt

Wegweiser

Der leicht begehbare Wanderweg führt zunächst am neuen Aquädukt entlang und gabelt sich später in zwei Wanderwege auf. Der grüne Weg führt auf der talabwärts linken Seite weiter am neuen Aquädukt entlang bis zum Georgkloster. Dieser Weg verläuft bis Jericho übrigens immer deutlich oberhalb des Flussbettes. Man muss sich auf diesem Weg  keine Sorgen wegen einer möglichen Überflutung des Wadis machen. Außerdem kann man die Schlucht in Notfällen an vielen Stellen verlassen. An der Vegetation lässt sich der Verlauf des neuen Aquädukts immer gut erkennen wie auch die natürlichen Rinnen, auf denen das Regenwasser ins Wadi fließt.

Hier sieht man den Verlauf des neuen Aquädukts und des grün markierten Wanderwegs (unterhalb der Wasserrinne).

Die hier vorkommenden Bankkalke bilden hier und da – teilweise auch überhängende – Terrassen aus und täuschen so gelegentlich Wege vor. Hier weiterzugehen kann sehr gefährlich werden. Auf den Weg sollte also schon geachtet werden. Wenn es gefährlich und schwindelerregend wird und das Ganze in eine haarige Kletterpartie auszuarten droht, ist man jedenfalls falsch gegangen. Soll Botanikern gelegentlich passieren, wenn sie ihr Augenmerk mehr auf ihre Lieblinge statt auf den Weg richten. In diesem Fall unbedingt umkehren bis man wieder auf dem richtigen Weg ist.

Die antike Verbindungsstraße zwischen Jericho und Jerusalem verlief übrigens nicht durch die Schlucht sondern oberhalb und weiter südlich (5), also etwa dort, wo heute eine Art Landstraße bzw. Piste verläuft.

Der rote Weg führt zunächst durch das Wadi und verläuft dann weiter  an der talabwärts rechten Flanke des Tals, ebenfalls wieder deutlich oberhalb des Bachlaufs, steigt stetig an bis man am Ende die Schlucht verlässt und den offiziellen Einstieg zum Georgskloster erreicht. Dort befindet sich ein Parkplatz und meistens fliegende Händler, bei denen man sich mit frisch gepresstem Orangensaft, Palästinensertüchern und Schmuck eindecken kann. Wer möchte, kann sich auch auf dem Rücken eines Esels zum Kloster und zurück tragen lassen.

Antikes römisches Aquädukt. Blick zurück vom Georgskloster.

Ich empfehle den schöneren grünen Weg. Der rote Weg hat allerdings den Vorteil, dass man das Georgskloster von der Höhe aus in voller Pracht sieht. Dieser Anblick ist sehenswert! Wer über den grünen Weg gekommen ist, kann ja die Schlucht hochsteigen (ca. 20 Minuten pro Strecke) oder auf der Rückfahrt den Parkplatz ansteuern. Beim Georgskloster vereinigen sich beide Wege. Ab dort führt nur noch der talabwärts linke Weg weiter

Vielleicht gibt es auch noch einen Weg, der bis zum Georgskloster direkt durch das Wadi führt. Dieser wäre dann nicht ungefährlich und müsste mit einiger Kletterei verbunden sein. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass sich so ein ausgetrockneter Flusslauf sehr schnell mit Wasser füllen kann. Man sollte sich nicht auf ein allmähliches, langsames Ansteigen eines Rinnsals einstellen sondern besser mit einer Sturzflut wie nach einem Dammbruch rechnen. Das entspricht meistens eher der Realität.

Blick auf das St.-Georgs-Kloster

Das griechisch-orthodoxe Kloster liegt äußerst eindrucksvoll an die Felswand angeschmiegt an der Stelle, an der der Prophet Elias auf seiner Wanderung zum Berg Horeb (Sinai) Rast gemacht haben soll (Könige 1,19). Erbaut wurde das jetzige Kloster zwischen 1871 und 1901. Das erste dort erbaute Kloster stammt aus dem 5 Jahrhundert. Die Mönche wurden 614 von Persern oder Juden (oder beiden, je nach „Quelle“= gängige Reiseführer) ermordet. Der Abt hieß Georg von Koziba (Choizba), von ihm und nicht von Georg dem Drachentöter rührt der Name des Klosters her. Ein Besuch des Klosters lohnt sich und ist möglich, wenn man angemessene Kleidung trägt.

Nicht nur um das Kloster herum, sondern im gesamten Wadi findet man an den Felshängen teilweise zugemauerte Höhlen, nicht selten an schwindelerregenden, schwer zugänglichen Stellen. Ich vermute, dass es sich um Einsiedeleien und Vorratsräume handelt, die zugänglicheren sind vielleicht auch Unterkünfte von Hirten, sicher bin ich mir aber nicht.

Bienenfresser, vermutlich Merops apiaster L., bei Jericho

Der Wanderweg führt nun vom Kloster aus, wie bereits erwähnt,  auf der linken Talseite weiter bis nach Jericho, das Kloster markiert dabei ungefähr die Hälfte der gesamten Wegstrecke.

Jericho, Kloster am Berg der Versuchung

Kloster am Berg der Versuchung, östlich von Jericho. Hier soll Jesus nach seiner Taufe im Jordan gefastet haben und vom Teufel in Versuchung gebracht worden sein. (Mt. 4,1 -11)

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Am Ende des Tals gelangt man über einen Schuttfächer zu einer Straße (rechts halten), die einen ins Zentrum von Jericho führt. Der Jordangraben kann der reinste Backofen sein. Wer zu einer späteren Jahreszeit wandert, sollte unbedingt darauf achten, dass er ausreichend Wasser und eine Kopfbedeckung für die Tour mitnimmt. Insgesamt handelt es sich bei geeigneter Witterung und geeignetem Schuhwerk um eine eher leichte Bergwanderung. Bei einsetzendem Regen oder bei großer Hitze sieht das aber ganz anders aus. Für die gesamte Tour vom Einstieg bis zum Marktplatz von Jericho haben wir bei gemächlichem Tempo einschließlich (Foto-)Pausen, kleineren Abstechern und Klosterbesichtigung etwa 5 ½ Stunden benötigt. Ohne Pausen rechne ich mit etwa 3 Stunden.  Das heutige Jericho liegt übrigens näher am Jordan als das frühgeschichtliche und alttestamentliche, das direkt an der Quelle Ain es Sultan (Elisaquelle, Könige 2, 21-22) lag und auch näher als das neutestamentliche Jericho zu Herodes‘ Zeiten.

Teeverkäufer im Zentrum von Jericho. Für einen leidenschaftlichen Teetrinker wie mich eine sehr erfreuliche Institution arabischer Städte.

Eine kleine Anekdote am Rande: unser Taxifahrer, ein christlicher Palästinenser, der uns wieder zurück nach Bethlehem brachte, hat es sich nicht nehmen lassen, mit uns auf dem Markt einzukaufen, da wir sonst  – nach seiner Einschätzung – viel zu viel bezahlen müssten. Tatsächlich hat er immense Mengen (köstliches) Obst und Gemüse für erstaunlich wenig Geld erhalten. Zurück im Taxi hat er zu unserer Überraschung jedem von uns Salatblätter entgegengestreckt. Salat müsse man frisch essen, das sei gesund, meinte er. Und so haben wir – mehr aus Höflichkeit als aus Verlangen – die Rohkost verzehrt. Hat wirklich gut geschmeckt, obwohl sicher jedem von uns die Geschichte mit “cook it, peel it or leave it” im Kopf herumgeisterte… es ging aber gut aus.

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Kommentare, die sich in polemischer Weise gegen Juden oder Palästinenser richten, werden nicht veröffentlicht. Ich schätze beide Länder und deren unterschiedliche Bevölkerung sehr. Es gibt, wie überall auf der Welt, auf beiden Seiten sowohl Betonköpfe als auch vernünftige Menschen.

Alle Fotos stammen vom Autor dieses Blogs. Ich bitte, das Copyright zu beachten.

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(1) es gibt mehrere Schreibweisen, z. B. auch Wadi Kelt, Wadi al-Qilt oder Wadi Qilt.

(2) Jonathan N. Tubb „Völker im Lande Kanaan“, Konrad Theiss Verlag 2005.

Es gibt Hinweise, dass Jäger und Sammler sich bereits 10.000 Jahre v. Chr. wenigstens zeitweise in der Nähe der Quelle Ain es-Sultan aufgehalten haben und dort Behausungen und ein Heiligtum errichtet haben. Bereits 7000 v, Chr. (laut Tubb präkeramisches Neolithikum A) war Jericho eine außergewöhnlich große Siedlung mit massiver Mauer und einem großen, etwa 8 m hohen Turm. Warum gerade hier? Dazu muss man berücksichtigen, dass es – innerhalb des Jordangrabens – westlich des Jordans wenige Quellen gibt und gab, die nicht zeitweise versiegten. Die nächste nördlich gelegene liegt bei Beth Scham (etwa auf der Höhe von Caesarea) die nächste südlich gelegene liegt meines Wissens bei En Gedi (etwa Höhe Gaza Stadt). Die Böden direkt am Jordan sind stark salzhaltig.

Wer sich über die Frühgeschichte Israel und Palästinas ein Bild machen möchte, dem lege ich übrigens einen Besuch der eindrucksvollen Archäologischen Abteilung mit wunderschönen Artefakten des Israel Museums in Jerusalem ans Herz.

(3) Der Essay „Die Ausgrabungen von Tell Es-Sultan, Jericho (AT) – Eine forschungsgeschichtliche Studie zur Palästina-Archäologie“, der in Gotthard G. G. Reinhold: „Bei Sonnenaufgang auf dem Tell“, Verlag Bernhard Albert Greiner 2003 veröffentlich wurde, gibt eine informative und spannende Übersicht über die Ausgrabungen des alttestamentlichen Jericho zwischen 1886 (Charles Warren) und 1958 (Kathleen M. Kenyon). Interessant finde ich auch, wie die Funde abwechselnd in Einklang mit Josuas Landnahme (Jos. 6) – und anderen Stellen des Alten Testaments – bzw. im Widerspruch dazu  interpretiert wurden. Unter Tell (israelisch Tel, wie z. B. Tel Aviv) versteht man übrigens einen Siedlungshügel, einen Hügel also, der dadurch entstanden ist, dass immer wieder neue Siedlungen auf den Resten vorheriger gebaut wurden.

Ich bin mir bei der Lektüre (zumindest eher populärwissenschaftlicher) archäologischer Literatur nie so ganz sicher, wie neutral die Autoren die Berichte der Bibel in ihre Arbeit einbauen. Manchmal habe ich den Eindruck, dass meist entweder pro oder contra Bibel (5) argumentiert wird. Eher selten scheint mir, dass die Biblischen Berichte unvoreingenommen als eine Quelle unter vielen bewertet werden. Aber ich kann mich da auch täuschen. Persönlich zähle ich mich zu der Fraktion, die in der Bibel in erster Linie ein identitätsstiftendes Werk sieht (wie z. B. auch Jonathan N. Tubb, s. o. (2)), deren Schriften oft redaktionell überarbeitet und fortgeschrieben (7) wurden und weniger ein historisches.  Ein Werk, das zusammengestellt wurde, um einem Volk eine Geschichte und damit eine Identität zu geben, hin und wieder auch unabhängig vom Wahrheitsgehalt der Geschichte. Vielleicht ähnlich, wie wir unsere eigene Autobiographie in Teilen immer wieder aufs Neue schreiben, Erlebnisse von wichtig auf unwichtig oder umgekehrt umsortieren, manches verdrängen, anderes dazu dichten oder zu frisieren um am Ende eine gute Geschichte erzählen zu können oder – wenn schon keine gute –  zumindest eine Geschichte mit einem roten Faden.

(4) Danin, A., “Near East ecosystems, plant diversity” in “Encyclopedia of Biodiversity”, Academic Press, S. Levin. 2001. 4:pp. 353-364. Diese Vergleiche sind immer mit etwas Vorsicht zu genießen, da ihr Aussagewert u. a. davon abhängt, ab wann Neophyten, also eingeschleppte Pflanzen, zur heimischen Flora gezählt werden und vom Artkonzept des Autors.

(5) Auf der folgenden Karte ist die Schlucht („Ain al-Qilt“), der Verlauf des Aquädukts und die alte Verbindungsstraße zu sehen: Tübinger Bibelatlas 2001, Karte B V 18, „Palästina in griechisch-römischer Zeit (ca. 300 v. Chr. – 300 n. Chr.) (Südteil) 1855.1381

(6) Israel Finkelstein, Neil A. Silberman: “Keine Posaunen vor Jericho: Die archäologische Wahrheit über die Bibel“, Beck Verlag 2006.

(7) zu den Redaktionen und Fortschreibungen siehe z. B. Christoph Levin, (8) und (9)

(8) Christoph Levin: „Das Alte Testament“, C. H. Beck, 4. Auflage 2010

(9) Christoph Levin: „Fortschreibungen. Gesammelte Studien zum Alten Testament“, Verlag Walter de Gruyter, 2003

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Wenn Bienen fremdgehen

Orchideen bilden eine sehr große Familie innerhalb der Einkeimblättrigen Pflanzen mit weltweit ca. 19.500 Arten, verteilt auf 788 Gattungen (1). Die typische Orchideenblüte  besteht aus zwei dreizähligen Blütenkreisen, wobei das mittlere – zunächst obere – Blütenblatt sich in Form und Farbe von den übrigen Blütenblättern unterscheidet und meistens durch Drehung des Blütenstiels, des Fruchtknotens oder durch Überkippen der Blüte zur Blütezeit nach unten weist. Dieses Blütenblatt, das als Lippe (Labellum) bezeichnet wird, dient zur Anlockung und als Landeplatz für die Bestäuber.

Die (meist 1, bis zu 3) Staubblätter sind mit dem Griffel zu einer Säule verbunden (Gymnostemium), eine der drei Narben ist steril und trennt die Staubbeutel von den zwei anderen, fruchtbaren (fertilen) Narben um Selbstbestäubung zu verhindern. Der Pollen wird meist nicht als Blütenstaub freigesetzt, sondern als Paket (Pollinium) bzw. Paketbündel an die Insekten angeklebt. Die Pollenpakete können aber in einzelnen Teilen wieder abgegeben werden, so dass mehrere Orchideen mit einem Paket bestäubt werden können.

Gelbe Ragwurz (Ophrys lutea), Sardinien, Supramonte, 2008. Auf der Lippe rechts liegt ein abgetrenntes Pollinium (Blütenstaubpaket).

Die sehr zahlreichen, leichten Samen werden durch Wind verbreitet und sind, da sie kein Nährgewebe für den Embryo enthalten, bei der Keimung auf Pilzsymbionten obligatorisch angewiesen. Sobald die Pflanze ausreichend Chlorophyll gebildet hat, kann sie auf diese Symbiose verzichten, was jedoch nicht immer geschieht.

Orchideen sind oft Täuschblumen. Der Bestäuber wird häufig gefoppt und erhält keine Belohnung für seine Bestäuberdienste.

Einer besonders perfiden Art der Täuschung bedienen sich die Ragwurzarten (Ophrys ssp.), die die Weibchen der Hautflügler (hier: Bienen und Wespen) in Form und Farbe imitieren und die Männchen zusätzlich durch Sexuallockstoffe anlocken. Durch die Kopulationsbewegung wird das Pollenpaket angeheftet und weitergeben.

Wespen-Ragwurz (Ophrys tenthredinifera), Sardinien, bei Orosei, 2006. Hier kann man gut die insektenähnlich haarige Oberfläche der Lippe erkennen.

Fliegen-Ragwurz (Ophrys insectifera), Baden-Württemberg, Heiligenkopf 2009

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Ganz so doof, wie wohl landläufig angenommen wird, scheinen die Hautflügler übrigens nicht zu sein. Der Fruchtansatz der Ragwurzarten ist jedenfalls minimal, die Bestäubungsart also wenig erfolgreich. Bei der Fliegen-Ragwurz (Ophrys insectifera. (a)) liegt der Fruchtansatz in Baden-Württemberg zwischen 0,7 und 3,7 % (2), d. h. dass nur 1 bis 4 Kapseln je 100 Blüten reife Samen entwickeln.

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(a)Der deutsche Name täuscht:  Bestäuber sind nicht Fliegen, sondern Grabwespen.

(1) Judd, Campbell et al.: „Plant Systematics“, 3rd ed., 2008

(2) Sebald, Seybold et al.: “Die Farn-und Blütenpflanzen Baden-Württembergs”, Ulmer Verlag, Band 8, 1998

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Darwins Gänsedistel?

Als ich im Winter 2009/2010 nach Teneriffa flog und damit zum ersten Mal die  Kanarischen Inseln besuchte, war ich zwar auf eine abwechslungsreiche und ganz eigene  Flora gefasst.  Obwohl ich mich gut auf den zweiwöchigen Ausflug vorbereitet hatte, wurde ich von dem Artenreichtum der Pflanzenwelt und noch mehr von der Vielzahl der Pflanzengesellschaften auf engstem Raum dennoch überwältigt.

Kanarische Glockenblume

Foto 1: Die meterlang kletternde Kanaren-Glockenblume ist ein Kanarenendemit und wächst in schattigen Wäldern (Lorbeerwald). Die 3-6 cm große Blüte wird wohl von Vögeln (Zilpzalp) bestäubt (3).

Dass ich außerhalb der Hauptblühperiode unterwegs war, tat meiner Begeisterung kaum einen Abbruch und hatte den einen Vorteil, dass ich mir einen ersten Überblick über die Insel verschaffen konnte, ohne mich im Detail zu verlieren.

Zugegeben, es war ein Wermutstropfen, dass die nicht nur wegen ihrer Größe imposanten Natternkopfarten wie z. B. Wildprets Natternkopf (Echium wildpretii, mit 1,5 – 3 m Höhe) nicht blühten. Als Entschädigung zeigte sich dafür ein weiteres,  schönes Wahrzeichen der Inseln, die Kanaren-Glockenblume (Canarina canariensis), in voller Blüte (Foto 1).

Warum die kanarischen Inseln ein so erstklassiges Freilandlabor für Ökologen und Evolutionsbiologen sind, möchte ich in diesem Blogeintrag am Beispiel von Teneriffa skizzieren.

Die westlich vor Nordafrika gelagerten Kanaren sind vulkanischen Ursprungs und es gab seit seiner Entstehung  vor 23,5 Mio. (Fuerteventura) bis 1,2 Mio. Jahren (El Hierro) nie eine Landbrücke zum afrikanischen Festland (1). Teneriffa hat eine Fläche von ca. 2.000 km², die höchste Erhebung mit 3.718 m ist der Teide, gleichzeitig „Spaniens“ höchster Berg. Teneriffa ist im Umriss dreieckig, die Spitzen bilden das Tenogebirge im Nordwesten, das langgezogene, halbinselartige Anagagebirge im Osten  und das Roque del Conte im Südwesten. Diese drei älteren, randständigen Gebirge wurden durch den jüngsten, zentral gelegenen Vulkan, den Teide, miteinander zu einer Insel verschmolzen.

Loorberwald

Foto 2: Nebelwald im Anagagebirge. Diese Lorbeerwälder der Kanaren sind verarmte Reliktwälder, die wohl denjenigen Wäldern Nordafrikas und Europas ähneln, die rund um die Tethys im ausgehenden Tertiär vorherrschten.

Klimatisch werden die Inseln durch den kühlen Kanarenstrom und den Nordostpassat beeinflusst. Durch den Kanarenstrom herrscht auf den Inseln ein milderes Klima als auf dem afrikanischen Festland gleicher geographischer Breite.

Durch den Nordostpassat werden die höheren Gebirgslagen ab ca. 500 m regelmäßig von Wolken eingehüllt. Auf der windzugewandten Seite von Teneriffa finden wir daher häufig Nebelwälder (Anagagebirge im Nordosten, Foto 2), im Windschatten oder in tieferen Lagen gibt es dagegen trockenere Gebiete mit zum Teil halbwüstenähnlichen Vegetationen wie dem Cardonal (siehe Foto 3).

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Foto 3: Sukkulentenbusch (Cardonal) bei Güimar mit zwei charakteristischen, stammsukkulenten Arten. Die gräulich weiße, zylindrische Pflanze links im Vordergrund ist die Rotbraune Leuchterblume (Ceropegia fusca, spanisch: Cardoncillo), hier ohne die namensgebende rotbrauen Blüten. Rechts dahinter die Kanarische Wolfsmilch (Euphorbia canariensis, spanisch: Cardón). Diese Wolfsmilchart erinnert zwar an einen Kaktus, ist mit diesem aber nicht verwandt (ein beliebtes Lehrbuchbeispiel für Konvergenz). Beide Arten sind Kanarenendemiten, kommen also natürlicherweise nur dort vor (2).

Foto 4: Teideginstergebüsch der Canadas (eine der weltweit größten Calderen) mit Teide im Hintergrund.

Die vertikale Zonierung der Vegetation Teneriffas von der Küste bis in den hochalpinen Bereich hat bereits Alexander von Humboldt 1799, bei seinem einwöchigen Besuch zu Beginn seiner Südamerikareise, beeindruckt und seine Vegetationskunde maßgeblich beeinflusst.

Die geringen Entfernungen zwischen den zahlreichen und extrem unterschiedlichen  Ökosystemen begeisterten mich jeden Tag aufs Neue. Faszinierend ist aber auch die Beschäftigung mit den Pflanzenarten in anderer Hinsicht. Wie auf anderen Archipelen vulkanischen Ursprungs (z. B. Galapagos, Hawaii), so lässt sich auch auf den Kanaren das Ergebnis eines Artenaufspaltungsprozesses nachvollziehen, der in der Evolutionsbiologie als adaptive Radiation bezeichnet wird. Was versteht man unter diesem Begriff?

Die Vulkaninseln waren zunächst noch unbesiedeltes Neuland. Pflanzen, deren Samen z. B. durch Vögel oder Wind vom Festland auf die Inseln verfrachtet wurden, konnten sich daher frei ausbreiten und bei ausreichender Variationsbreite ihres Genoms auch nach und nach ökologische Nischen besetzen, die nicht mehr dem ursprünglichen Standort entsprachen. Durch verschiedene Isolationsmechanismen (z. B. Entstehung räumlicher Barrieren wie Lavaströmen, zeitlicher Barrieren wie Änderungen der Blütezeit oder durch genetische Barrieren wie der Änderung der Chromosomenzahl – Polyploidisierung –) spaltete sich die Ursprungsart in neue Arten mit unterschiedlichen ökologischen Ansprüchen auf.

Gänsedistelart

Foto 5: Eine der ca. 25 verholzten und oft sehr imposanten Gänsedistelarten, die fast alle Kanarenendemiten sind (2). Die abgebildete Art ist ca. 2 m hoch. Leider habe ich die gepressten Blätter verloren und konnte die Art nicht nachbestimmen.

Dieser Vorgang wiederholte sich natürlich auch auf den Nachbarinseln und immer auf unterschiedliche Weise. Auf diese Weise sind z. B. aus einer Aeonium-Art (gehört zu den Dickblattgewächsen), die vor 2-3 Mio. Jahren die Inseln besiedelt hat, mittlerweile 34 Arten entstanden (1). Ähnliches gilt auch für die „Bäumchenmargeriten“ (Agyranthemum ssp.), die Gänsedistelarten (Sonchus ssp.) und viele andere.

Zu Beginn seiner legendären Fahrt mit der Beagle (1831 bis 1836) wollte Charles Darwin eigentlich auch die Kanarischen Inseln besuchen, nicht zuletzt wegen der enthusiastischen Beschreibungen des Alexander von Humboldt. Da es zu der Zeit in England eine Cholera-Epidemie gab, durfte er jedoch nicht an Land gehen. Wer weiß, vielleicht ist es diesem Umstand geschuldet, dass wir heute über die „Darwinfinken“ der Galapagosinseln reden, wenn wir an die Meilensteine der Evolution denken,  und nicht von „Darwins Gänsedisteln“.

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  • (1)    Pott. R, Hüppe. J, Wildpret de la Torre. W.: „Die Kanarischen Inseln, Natur und Kulturlandschaften“, Ulmer Verlag , 2003. Ein sehr empfehlenswertes Buch für alle, die sich eingehender mit den Kanaren beschäftigen möchte. Dieser Blogeintrag greift in weiten Teilen auf dieses Buch zurück.
  • (1)    Hohenester, A. und  Welß, A. : „Exkursionsflora für die Kanarischen Inseln“. Ulmer Verlag, 1993. Wer die Pflanzenarten der Kanaren zuverlässig bestimmen möchte, dem sei dieses Bestimmungsbuch empfohlen. Für Einsteiger genügt das folgende Buch:
  • (2)    Schönfelder, P. und I.: „Die Kosmos Kanarenflora“, Kosmos Verlag, 2. Aufl. 2005. Sehr gut geeignete Bestimmungsliteratur mit vielen Farbfotos.

Alle Fotos von Klaus Lorch.


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Willkommen bei meinem Blog!

Ich werde hier über vorwiegend biologische, aber auch philosophische/ideengeschichtliche Themen bloggen. Gelegentlich schreibe ich sicher auch etwas zu Klassischer Musik und zu gesellschaftlichen Themen.  Mein besonderes biologisches Interesse liegt in den Bereichen Ökologie (Ökosysteme, Blütenökologie), Evolution und Molekularbiologie. Hoffentlich gelingt es mir, meine Begeisterung für diese Themen auf die LeserInnen zu übertragen.

Mein Kobold @Reticulum treibt übrigens in Twitter sein Unwesen. Ihm ist nicht unbedingt mit tierischem Ernst zu begegnen (Satire darf schon immer etwas weiter gehen).

Da ich nicht unter einem Pseudonym schreibe, bin ich auch auf Facebook leicht zu finden. Über Freundschaftsanfragen von Gleichgesinnten freue ich mich immer.

Beispiele für Ökosysteme:

Dünenlandschaft auf Sardinien Mangrove bei Ebbe 

(Nordostaustralien)

Sukkulentenbusch (Cardonal) 

(Guimar im Süden von Teneriffa)

Tropischer Regenwald 

(Nordostaustralien)

Birkenwaldzone und Tundra (Schwedisch-Lappland)

Als begeisterter Taucher werde ich auch immer mal wieder über meeresbiologische Themen schreiben. Bislang habe ich mich aber noch nicht auf die UW-Fotografie eingelassen; diese Berichte werden daher zwangsläufig textlastig ausfallen. Über Kommentare freue ich mich immer.

Mein erster Blog, der demnächst hier erscheinen wird, trägt den Titel „Darwin-Gänsedistel?“ und beschäftigt sich mit Teneriffas Pflanzenwelt.

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