Das Blogstöckchen, die Kirche und ich

Nun hat mich dieser Tage auch ein Blogstöckchen getroffen und zwar von der lieben Susanne, deren Fragen ich sehr gerne beantworte.

1. Welche ist Dein liebstes Kirchenmusikstück/Kirchenlied und warum?

Diese Frage ist für mich nicht leicht zu beantworten, da ich keine Lieblingsdinge habe, weder eine Lieblingsfarbe noch ein Lieblingsbuch oder ein liebstes Musikstück usw. Aber ein Kirchenmusikstück, das ich immer wieder gerne höre, ist das Requiem von Fauré. Es wirkt auf mich nicht so schwer und tragisch wie manche andere Requien, es klingt insgesamt friedvoller und versöhnlicher und geht so mit dem Thema Tod ganz in meinem Sinne um. Fauré erreicht diese Wirkung unter anderem, in dem er das „Dies irae“ nur knapp vertont und ans Ende des Requiems ein „In paradisum“ hinzufügt.  Das wirkt auf mich sehr friedvoll, auch wenn ich nicht an ein Leben nach dem Tod glaube und es mir auch nicht wünsche.

Ein Kirchenmusikstück, das mir ebenfalls sehr gut gefällt, ist die H-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach. Die Interpretation des Collegium 1704 hörte ich die vergangenen Wochen häufig.

Kirchenlieder sind mir leider nicht so präsent, da ich kein gläubiger Christ bin und mich selten während des Gottesdienstes in Kirchen aufhalte. Ganz gut gefällt mir „Vom Himmel hoch, da komm ich her“. Es klingt in meinen Ohren feierlich aber nicht überfrachtet, nicht zu pompös. Außerdem gefallen mir die Bearbeitungen der Melodie von Johannes Sebastian Bach in dessen Weihnachtsoratorium und seinen „Canonischen Veränderungen“, die ich wohl immer mit meinem inneren Ohr mithöre, wenn ich an dieses Lied denke.

2. Kannst Du Dich noch an Deinen Konfirmandenunterricht erinnern? Was war das schönste, was das schlimmste daran?

An den Konfirmandenunterricht kann ich mich kaum noch erinnern, an die Konfirmationszeit dagegen schon, da sie die Zeit war, in der ich Glauben ernsthaft versucht habe, vielleicht sogar geglaubt habe. Ich bin zu der Zeit nebenbei regelmäßig in eine evangelische Einrichtung gegangen, an deren Name ich mich nicht mehr erinnere, irgendetwas mit Gitarrenclub, wenn ich mich recht entsinne; jedenfalls spielte gemeinsames Singen eine wichtige Rolle. Dort trafen sich vorwiegend jüngere Leute und der Umgang miteinander war nicht steif, sondern betont locker; das war zumindest die Absicht. Um ehrlich zu sein, bin ich in erster Linie dorthin gegangen, weil ich mir die Anwesenheit eines bestimmten Mädchens erhofft habe, das ich dann aber leider nie dort angetroffen habe (Hallo S.!).  Ich habe es trotzdem eine ganze Weile gerne dort ausgehalten und habe noch längere Zeit Briefkontakt mit einem späteren Missionar gehabt, auch nachdem ich wieder vom Glauben abgerückt war.

Das schönste Erlebnis – zwar nicht des Konfirmandenunterrichts, aber der Konfirmationszeit – war, dass mich diese Leute nach der Konfirmation vor dem Haus meiner Eltern erwarteten und mir ein Ständchen gebracht haben. Das fand ich sehr rührend. An den Unterricht selbst habe ich nur noch zwei Erinnerungen. Die eine ist die, dass ich während des begleitenden Gottesdienstes nie einer Predigt von Anfang bis Ende folgen konnte, so sehr ich mir auch Mühe gab. Das sollte sich auch nie ändern. Irgendwann schweifte meine Aufmerksamkeit immer ab und fand einen interessantener Gegenstand, Gedanken oder Menschen. Die zweite betrifft den Unterricht selbst. Wir bemühten uns, immer möglichst cool zu wirken und haben während des Unterrichts z. B. gezeichnet oder auf andere Weise demonstriert, dass wir wenig interessiert seien. Tatsächlich interessierten uns einige Fragen brennend aber das konnte man ja nicht zugeben oder zeigen, jedenfalls nicht in den 70ern und nicht in meinem Freundeskreis.

3. Wie muss Deiner Meinung nach ein guter Geistlicher heute sein?

Ein guter Geistlicher wäre für mich ein nicht zu selbstsicherer, ja, sogar eher ein zweifelnder Mensch, jedenfalls kein Dogmatiker. Er sollte authentisch sein, sein Reden und Handeln also weitgehend übereinstimmen. Ich erwarte allerdings keinen Heiligen, er kann ruhig menschliche Schwächen haben und Fehler machen. Gut finde ich, wenn er über die alternativen Wege, die durchs Leben führen können, Bescheid weiß und diese akzeptieren kann und wenn er nicht zu missionarisch auftritt.

Ich erwarte von einem guten Geistlichen eine ähnliche Haltung gegenüber Aufklärung und Wissenschaft, wie sie z. B. der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, Bischof Wolfgang Huber, vertritt. Für einen guten Geistlichen in meinem Verständnis steht immer der Mensch im Vordergrund, nicht das Gesetz oder Gebot, er versteht die Bibel nicht wortgläubig und er erkennt tragische Konflikte als wesentlich für unser menschliches Leben an, also Konflikte, bei denen man sich unabhängig davon, wie man sich entscheidet, schuldig macht.

Nun gebe ich das Blogstöckchen gerne weiter und zwar an Su, an @Unangepasst und an @erdberetta .

Ich habe zwei der Fragen abgeändert:

1. Kannst Du Dich an einen schönen Kirchenbesuch erinnern und was machte das Schöne daran aus?

2. Welche Bedeutung hat die Kirche heute für Dich und/oder welche sollte sie Deiner Meinung nach haben?

3. Wie muss Deiner Meinung nach ein guter Geistlicher heute sein?

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Über Klaus Lorch

Ich bin Biologe mit Interesse an Botanik, Mykologie, Ökologie, Evolution, Meeres- und Molekularbiologie. Fan von Klassischer Musik, Philosophie und Literatur.
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5 Antworten zu Das Blogstöckchen, die Kirche und ich

  1. Madeleine Burri schreibt:

    Klaus, Du beschreibst lebendig, bunt. Es ist eine Freude, Dich zu lesen.
    Ganz speziell triffst Du die Beschreibung von Deiner Beziehung zur Religion, zum Komfirmandenunterricht! Ich denke, jede(r), der ihn besucht hat, findet sich irgendwie in Deinen Worten. Wie haben wir diskutiert, gelachtu und gehofft in dieser Zeit!

  2. Pyrolim schreibt:

    Lieber Klaus,
    nun noch einmal so richtig vielen Dank für Deine Antworten. Ein lesenswerter Text.
    Auf die h-moll-Messe vom des Collegium 1704 hast Du mich nun richtig neugierig gemacht. Ich habe zwar eine Aufnahme davon, aber weiß im Moment nicht, von wem sie ist.
    Hast Du die Aufnahme als CD oder gibt es die irgendwo als MP3? Du hast mir den Mund (genauer: die Ohren) so wässrig gemacht, dass ich mir die Aufnahme zulegen will.
    LG, Susanne

    • Klaus Lorch schreibt:

      Danke, liebe Susanne.
      Die Doppel-CD ist am 1. September 2013 erschienen. Mitwirkende sind Collegium Vocale 1704 und Collegium 1704 unter Dirigent Václav Luks.
      Die Empfehlung hatte ich von „Klavierissimo“ (Twitteraccount @tkrooss), der sie wiederum, wenn ich mich richtig entsinne, von BBC Radio 3 hatte. Ich konnte mir die Einspielung auf Spotify Unlimited anhören. Die CD gibt es bei einem bekannten Online-Einzelhändler für knappe 30 Euro inklusive cloud („AutoRip“).
      Liebe Grüße, Klaus

      • Susanne schreibt:

        Danke. Ich bin ja noch so Old-School: CD kaufen und dann für die diversen Player aufbereiten. Denn was ich im CD-Regal stehen habe, kann mir kein technischer Crash mehr nehmen.

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