Grönland 2015 – Vorbereitung

Ich tu’s.

Seit Jahren träume ich davon, wieder einmal nach Lappland oder eine andere arktische Region zu reisen und dort zu wandern.

Polarkreis - Schweden

Polarkreis – Schweden, 1995

Kennen und lieben gelernt habe ich Schwedisch-Lappland während meines Biologiestudiums. Der Lehrstuhl Pflanzenphysiologie bot eine vierzehntägige Exkursion an, an der ich fünfmal teilnahm, davon zweimal als Exkursionsleiter einer der beiden Teilgruppen. Obwohl meine erste Tour (1995) recht verregnet war und ich viel zu viel Gerödel durchs Fjäll schleppte, war ich begeistert von der Landschaft, der Stimmung und den Ökosystemen.

Stuor Reaiddavaggi zwischen Sälka und Nallo mit Polyfonböden und Solifluktion.

Stuor Reaiddavaggi zwischen Sälka und Nallo mit Polygonböden und Solifluktion, 1998.

Nordeuropa bietet im Gegensatz zu Mitteleuropa immer noch großräumige, weitgehend natürliche Gebiete mit zahlreichen Feuchtgebieten und frei mäandrierenden Flussläufen. Die teilweise kargen und doch vielfältigen Pflanzengesellschaften, an denen oft Flechten und Moose beteiligt sind, die gesamte Ökologie einschl. der parasitischen Pilze (01) begeistern mich sehr. Von der Biologie ganz abgesehen bin ich hingerissen von der Landschaft, den Gebirgsformationen, den U-Tälern, ich genieße die Zivilisationsferne ohne Lichtsmog, Hektik und Lärm (darüber habe ich schon an anderer Stelle geschrieben: „Knisternde Stille“ https://klauslorch.wordpress.com/2012/11/08/knisternde-stille/ und „Verlassene Lichtung“ https://klauslorch.wordpress.com/2011/04/22/verlassene-lichtung/).

Trotzdem ergab sich nach 2000 keine Gelegenheit mehr, in diese oder vergleichbare Gegenden zu reisen. Letztes Jahr dachte ich mir, dass ich mich in meinem mittlerweile fortgeschrittenen Alter so langsam mal aufraffen sollte, wenn ich das alles noch einmal erleben möchte; noch habe ich z. B. keine Knie- oder Rückenprobleme, was sich bekanntlich schnell ändern kann.

Blick auf Tjäktjavagge mit Tjäktjajakka und Blick ins Geargevaggi.

Blick auf Tjäktjavagge mit Tjäktjajakka und Blick ins Geargevaggi, 1998.

Die gleiche Tour wie während der Universitätszeit möchte ich nicht mehr machen, schon alleine, weil es einem Vergleich nicht standhalten kann, da wir ja in der Gruppe unterwegs waren. Die Gegend (zwischen Abisko im Norden und Sälka im Süden) darf es aber schon sein. Nur möchte ich noch mehr abseits der Hauptwanderstrecke Kungsleden unterwegs sein, vorwiegend oder ausschließlich im Zelt übernachten und vielleicht einmal bis in das Gebiet des Stonsteinsfjellet (Norwegen) vordringen. Den Gletscher dieses Berges habe ich von Unna Alakas aus gesehen und er hat mich immer angezogen.

Unna Alakas, 1997

Unna Alakas, 1997

Mein Plan wäre, bald nach dem Kiron den Kungsleden zu verlassen um bei Sälka wieder kurz auf ihn zu stoßen und danach über den Nordkalottleden über Norwegen und Unna wieder zurückzukehren. Es gäbe auch sonst noch einige, weniger begangene Wege, die bei einigermaßen gutem Wetter zu schaffen sein müssten

Weitere gedankliche Alternativen waren Island oder der Sarek Nationalpark. Letzten Sommer wurde ich dann noch durch einen Twitterer (@Koerb_de / http://www.koerb.de/ ) in meiner Timeline auf den Arctic Circle Trail in Grönland aufmerksam gemacht, und der Gedanke, dorthin zu reisen, ließ mich nicht mehr los.

Ahpparjavri, 1995

Ahpparjavri, 1995

Welche Tour es letztendlich werden sollte, wollte ich von meiner Fitness abhängig machen. Die erste kann man notfalls abkürzen, ich kenne mich in der Region aus und die Hütten haben Nottelefone. Meistens ist auch ein(e) Hüttenwirt(in) da und auf jeder zweiten entlang des Kungsleden kann man Proviant kaufen, worauf man sich allerdings gegen Ende der Saison nicht verlassen sollte. Das alles fällt beim Circle Trail weg.

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Im Oktober habe ich mit meinem Training begonnen und die Vorfreude hat mich unwahrscheinlich angespornt. Hilfreich waren von Anfang an ein Pulsmesser und eine Nahrungsmittelapp, die mir mein älterer Sohn empfohlen hat. Seit Mitte Oktober habe ich gut 10 kg abgenommen und meine Trainingsleistungen enorm verbessert. Mein letzter gründlicher Gesundheits-Check mit Belastungs-EKG fiel top aus und damit war für mich die Entscheidung gefallen: ich habe die Flüge nach Grönland gebucht. Die anderen Touren verschiebe ich auf die kommenden Jahre.

Sälka - Präsentation der bestimmten Pflanzen (Autor), 1997

Sälka – Präsentation der bestimmten Pflanzen (Autor), 1997

Wandern werde ich gegen Ende der Saison, das hat sich auch in Lappland immer bewährt; zu dem Zeitpunkt sind die Mücken meistens durch erste Nachtfröste dezimiert. Die meisten Blütenpflanzen sollte ich auch in nicht blühendem Zustand erkennen können. Ich werde mir mit vierzehn Tagen (plus zwei Puffertagen zur Sicherheit) ausreichend Zeit nehmen für die Strecke, damit die Botanik auf keinen Fall zu kurz kommt. Vielleicht reicht die Zeit sogar noch für die eine oder andere pflanzensoziologische Aufnahme, das hoffe ich sehr. Aus Erfahrung weiß ich, dass mir mit Gepäck mehr als 20 km am Stück keinen Spaß machen, weswegen die längsten Etappen etwa 17 bis 18 km lang sein werden.

 

Die Liste der Gefäßpflanzen ist überschaubar, nimmt man Moose und Flechten dazu, wird es schon deutlich schwieriger, den Überblick zu behalten. Aber ich habe ja noch einige Zeit für die Vorbereitung und bin schon eifrig dabei, da sie mir schon unwahrscheinlich viel Freude macht; sie macht einen guten Teil meiner Euphorie aus, die mich derzeit durch mein recht anstrengendes Konditionstraining trägt. Genauer anschauen möchte ich mir insbesondere die Feuchtgebiete und den Bewuchs der Fließ- und Polygonböden, die Wunschliste wird aber während der Vorbereitungsphase sicher noch länger werden.

Grönland, ich komme!

 

Salix herbacea (Krautweide) mit Rhytisma salicinum (Teerfleckenkrankheit der Weide), 1995

Salix herbacea (Krautweide) mit Rhytisma salicinum (Teerfleckenkrankheit der Weide), 1995

  1. Ich habe z. B. selten so häuft mit Anthracoidea (eine Brandpilzgruppe) befallene Carices gesehen, wie in Lappland.
Falkenraubmöwe, 1995

Falkenraubmöwe, 1995

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Über Klaus Lorch

Ich bin Biologe mit Interesse an Botanik, Mykologie, Ökologie, Evolution, Meeres- und Molekularbiologie. Fan von Klassischer Musik, Philosophie und Literatur.
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13 Antworten zu Grönland 2015 – Vorbereitung

  1. sturmsonne schreibt:

    Ich habe immer sehr großen Respekt vor Menschen, die es wagen, alleine in fremde Länder zu reisen! Die Stille und Menschenferne zieht mich auch an, wenn ich könnte, würde ich mich anschließen. 😉 Eine gute Reise…

    • Klaus Lorch schreibt:

      Danke 🙂 Beides hat seine Vorzüge, alleine reisen oder gemeinsam. Gemeinsam kann man mehr teilen, hat mehr zu lachen, ist eher bereit, Dinge, die schief laufen, mit Humor zu nehmen. In der Gruppe lässt sich schnell mal Gewicht anders verteilen, wenn einer Probleme bekommt. Alleine erlebe ich vieles sehr viel intensiver. Für manche Touren finde ich auch schlicht keinen Freund, der bereit wäre, mitzugehen.

  2. stachelvieh schreibt:

    Wie schön! So ursprünglich, unbahauen. Ich magdas sehr. Ich wünsch Dir eine gute Reise mit tollen Eindrücken.
    ♡lich Stachelvieh

  3. carowiesauer schreibt:

    Es ist immer schön, über das geschriebene Wort von einer Gegend zu erfahren, die man nicht kennt. Es sind dabei auch die persönlichen Gründe, die jemanden dazu bewegen, diese Gegend aufzusuchen, die es so spannend machen, Erfahrung zu teilen.

  4. ulbarb schreibt:

    lieber klaus! ich bin zwar sehr spaet dran, dir zu antworten, aber ich weiss, dass meine worte dich erreichen werden. ich hoffe, dass du hier bald texte und bilder deiner reise posten wirst?!? seltsam: das land groenland ist mir dieses jahr schon einige male begegnet, denn ich habe dort einen ‚ausgewanderten‘ cousin leben und – neugierig geworden, will ich unbedingt mal was von robert(o) peroni lesen, der dort seit jahren lebt und fuer und mit inuits arbeitet. das land sollte fast ein frapalymo-impuls werden:) ich wollte dir aber auch sagen, dass ich deinen anderen beitrag („melancholie…“) gelesen habe und ich sehr geruehrt bin. habe mich selbst total wieder erkannt, als ich las, was und wie du ueber harmoniebeduerfnis und anpassung schriebst. so ein ehrlicher, tiefgruendiger und mutiger text. danke, dass ich dich ‚kennen‘ darf. zum schluss: das buch ‚die wand‘ steht seit ettlichen jahren auf meiner top-ten-liste. alles liebe und gute

    • Klaus Lorch schreibt:

      Liebe U., herzlichen Dank für Deinen lieben Kommentar, ich freue mich sehr darüber. Ich hoffe doch sehr, dass ich schöne Fotos von Grönland mitbringen kann und die werde ich hier gerne inklusive Reisebericht präsentieren. Ich gehe ja erst Mitte August, es ist also noch eine Weile hin. Mich hat dieses Land schon lange interessiert, leider werde ich von den Leuten nicht allzu viel mitbekommen. Nur am Ende der Tour, in Sisimiut (immerhin die zweitgrößte Stadt Grönlands) werde ich etwa zwei Tage lang die Gelegenheit dazu haben, der Rest gehört der Natur. Danke für Deinen Hinweis zu Robert Peroni, den Tipp werde ich mir gerne zu Herzen nehmen. Und es stimmt, Grönland wäre kein schlechter Impuls für frapalymo, werde die Anregung mal an Sophie weiterleiten. Danke auch für die weiteren lieben Zeilen, ich freue mich auch, dass ich Dich kennen darf. Liebe Grüße, Klaus

  5. GelbeEule schreibt:

    Mich hat Island sehr fasziniert, ich mag diese einsame Landschaft auch sehr. Ich bin schon sehr gespannt, mit welchen Bildern und Geschichten du wieder kommst. 🙂

    • GelbeEule schreibt:

      Natürlich aus Grönland, aber abgesehen von den fehlenden Vulkanen und Geysiren ist es nicht so unähnlich 😉

      • Klaus Lorch schreibt:

        Ich habe schon verstanden, dass Du Grönland meinst 😉

        Die Vorfreude ist groß, ich bin gespannt und bringe hoffentlich schöne Bilder mit. Island steht auch noch auf der Liste, das reizt mich schon lange.

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